heise online – 10.07.09 – Gesetz zu Web-Sperren passiert den Bundesrat

Tja, war ja zu erwarten dass das einfach abgenickt wird, wie so oft in letzter Zeit. Da das ganze aber technischer Blödsinn ist, hier die Kurzanleitung wie man das ganze umgehen kann.

Die ganze Sperre beruht ja auf einem Zwangsproxy bei den Providern (genauso wie in China eben). Wenn also die Domain “www.ich-bin-gesperrt-aber-hier-ist-gar-keine-pornografie.de” aufgerufen wird, muss der Rechner diesen Namen in eine IP-Adresse umgesetzt werden. IP Adressen benutzen Computer zur eigentlichen Addressierung, die Namen sind nur für uns doofe Menschen zum einfacher merken ;)

Üblicherweise wenn man mit einem Router ins Internet geht (Fritz-Box u.ä.), dann hat man vom Router seine eigene IP Adresse bekommen (über DHCP), und auch die Information, wer denn eigentlich die Namensauflösung für unseren Rechner machen soll. Kann man direkt nachkucken, über “Start->Ausführen->cmd” eine DOS-Box öffnen, und dort “ipconfig /all” eingeben. Dann sieht man alle seine Netzwerkinterfaces samt zugehörigen Parametern.

Bei dem benutzten Interface wird in der Regel als IP-Adresse so was wie “192.168.1.25″ stehen. Hierbei steht 192.168.1. für das Netzwerk, und wir selbst haben die .25. Beim DNS-Server dürfte dann 192.168.1.1 stehen, und genauso beim Gateway. Das ist unser Router, der hat (fast immer) die .1.

Also übernimmt unser Router die Namensauflösung für uns (bzw das ganze Netz daheim, wenn da mehrere Rechner stehen).

Jetzt kann man hergehen und entweder für das ganze Netz die Namensauflösung ändern (also am Router), oder nur für den einzelnen Rechner. Dazu trägt man einfach einen anderen DNS Server als den unseres deutschen Providers ein. Zu finden gibts solche offenen DNS-Server hier https://www.opendns.com/. Achja, falls die Zensur noch weiter um sich greift, und opendns.com gesperrt wird, hier deren IP Adresse: 208.67.219.99. Kann man aber auch mal selbst nachkucken über Heise’s Ping Tool: http://www.heise.de/netze/tools.

Das ganze hier ist natürlich nicht gedacht, um den Zugriff auf Kinderpornographie zu vereinfachen (ich habe selbst Kinder), sondern um der immer weiter um sich greifenden Zensur und Gängelung von Bürgern entgegenzuwirken. Die Typen die wirklich Kinderpronographie wollen/tauschen etc. nutzen da längst ganz andere Wege, im Gegensatz zu unseren Politikern können die mit Technologie nämlich umgehen, genauso wie auch jeder halbwegs begabte Terrorist. Leider.

Der Bundesrat hat in seiner Plenarsitzung am heutigen Freitag den heftig umkämpften Gesetzesentwurf (PDF-Datei) zu Web-Sperren im Kampf gegen die Verbreitung von Kinderpornographie über das Internet nach einer kurzen Aussprache abgenickt. Mit der Bestätigung des Beschlusses des Bundestags von Mitte Juni müssen Zugangsanbieter mit mehr als 10.000 Kunden voraussichtlich schon vom 1. August an Filter auf Basis einer geheimen Blockadeliste des Bundeskriminalamts (BKA) einrichten. Wer eine Webadresse ansurft, die in dem Sperrverzeichnis gelistet ist, soll eine Stopp-Seite zu Gesicht bekommen; dabei anfallende Verkehrs- und Nutzungsdaten sollen, so legt §5 des Gesetzes fest, nicht für Zwecke der Strafverfolgung genutzt werden. Das Gesetz ist zunächst auf drei Jahre befristet.

via heise online – 10.07.09 – Gesetz zu Web-Sperren passiert den Bundesrat.

Post comment as twitter logo facebook logo
Sort: Newest | Oldest

Trackbacks

  1. [...] haha, das ist ja mal geil. Bin ich gerade bei Heise drüber gestolpert, dass jemand an eine Politikerin geschrieben hat, er werde einen offenen DNS Server nutzen… genauso wie ich das ja hier beschrieben habe. [...]